Die orange-türkisblaue Gefiederfärbung und der dolchartige Schnabel lassen diesen schillernden Vogel schon von weitem erkennen. Beim Weibchen sind im unteren Teil des Schnabels bräunliche Färbungen vorhanden, während beim Männchen der Schnabel einheitlich dunkel gefärbt ist. Außerdem sind die Stützfedern am Schwanz beim Männchen viel stärker ausgeprägt. Der Eisvogel ruft laut pfeifend „tieht“.
Die blaue Färbung stellt eine wirksame Tarnung dar, wenn Greife wie Habicht oder Sperber von oben auf das Wasser blicken. Die blaue Färbung wird nicht durch Pigmente verursacht, sondern durch Lichtbrechung an den winzigen Keratinschichten der Federn. Deshalb kann das Blau variieren und erscheint je nach Lichteinfall blau bis smaragdgrün. Die orange Färbung am Bauch schützt ihn vor Fressfeinden wie Marder und Fuchs von unten, wenn er erhöht auf einem Ast sitzt. Auch im Wasser lauern Gefahren, zum Beispiel durch den Hecht. Gelegentlich fressen Schlangen oder Ratten die Eier.
Eisvögel lieben klare Flüsse und Seen. Dort jagen sie im Stoßtauchen nach Elritzen, Moderlieschen, Stichlingen, Gründlingen oder jungen Forellen, aber auch nach Insekten und kleineren Fröschen. Bei der Suche nach Nahrung fliegen sie mit sehr schnellen Flügelschlägen flach über das Gewässer. Sitzwarten müssen vorhanden sein. Die Beute wird durch Stoßtauchen in bis zu einem Meter Wassertiefe erbeutet, dann an einem Ast totgeschlagen und dann mit dem Kopf voran komplett verschluckt. Dabei kommt dem Eisvogel sein gutes Sehvermögen zu Hilfe. Durch kleine Drehbewegungen des Kopfes berechnet der Vogel mit Hilfe beider Augen exakt die Entfernung des Fisches unter Wasser und berücksichtigt dabei auch noch die Lichtbrechung im Wasser. Erstaunlicherweise ist die Hälfte aller Tauchflüge erfolgreich. Unter Wasser werden die Augen durch das Davorziehen der durchsichtigen Nickhaut geschützt.
Ein Eisvogel frisst pro Tag – je nach Beutegewicht – 10 bis 25 kleine Fische, die meistens um die vier bis acht Zentimeter lang sind. Er muss pro Tag bis zu 50 % seines eigenen Körpergewichts fressen.


KI-Illustration: Männchen und Weibchen des Eisvogels.
Eisvögel brüten in selbst gegrabenen Röhren an lehmigen Steilufern. Das Ende wird zu einer Nistkammer erweitert. Die Brutzeit beginnt Anfang März und endet mit der letzten Brut im August. Vor der Paarung überreicht das Männchen dem Weibchen frisch gefangenen Fisch und übergibt ihn mit seinem Schnabel. Dann darf es auf das Weibchen aufsitzen. Die Eltern wechseln sich beim Brüten ab. Aus den bis zu sieben kugelförmigen, weiß glänzenden Eiern schlüpfen nach drei Wochen die jungen Eisvögel. Diese werden etwa vier Wochen lang von den Eltern gefüttert. Die Fütterung erfolgt streng nach festgelegten Regeln. Die Jungen sitzen im Kreis und halten die Reihenfolge beim Füttern immer exakt ein. Ungefähr drei Wochen nach dem Schlüpfen versuchen die Eltern, die Jungen mit gefangenem Fisch aus der Höhle zu locken. Manchmal fallen die Junge direkt ins Wasser, sie lernen dann das Fliegen aber innerhalb weniger Stunden. Nach dem Ausfliegen sind die Jungen bald auf sich alleine gestellt. Manchmal brütet ein Eisvogelpaar zwei- oder sogar dreimal pro Jahr. Unter günstigen Bedingungen kann ein Eisvogel älter als zehn Jahre werden.
Im Winter ziehen die Eisvögel südwärts, manche Paare bleiben das ganze Jahr in der Nähe des Brutgebietes. Extrem kalte Winter und Hochwasser-Ereignisse sind natürliche Gefahren für den Eisvogel. Bleibt es über einen längeren Zeitraum sehr kalt, gefrieren die Gewässer zu, so dass der lebenswichtige Fisch nicht mehr zugänglich ist. Darüber hinaus gibt es auch zahlreiche durch den Menschen verursachte Gefährdungen, dazu zählen zum Beispiel Flussbegradigungen, Trockenlegung von Feuchtgebieten, Störungen durch Sportfischerei oder die Verfolgung durch Jäger und Sammler in den Winterquartieren. Im 19. Jahrhundert wurden die farbigen Federn sogar für Damenhüte verwendet. Verschmutzte Gewässer führen nicht nur zum Sterben der Fische, sie verursachen auch eine Trübung, die dem Eisvogel zum Verhängnis werden kann, wenn seine Sicht beim Jagen unter Wasser beeinträchtigt wird. Der Eisvogel gilt deshalb als Indikator für ganz saubere Gewässer.
Das Errichten von künstlichen Wänden mit Bruthöhlen und von geeigneten Sitzwarten an einem Gewässer hat sich als erfolgreich herausgestellt. Dort fühlen sich die Eisvögel sicher. An solchen Orten kann man in den Naturschutzzentren aus einer Beobachtungshütte heraus die Eisvögel beobachten und fotografieren, ohne dass sie gestört werden. Von Bedeutung sind Maßnahmen zum Gewässerschutz und die Erhaltung oder Wiederherstellung der ursprünglichen Brutgebiete.
Bilder zum Eisvogel


Der untere Teil des Schnabels ist beim Weibchen heller.


Beim Männchen ist der Schnabel einheitlich dunkel.


Weibchen (links) und Männchen im direkten Vergleich.


Männchen (links) und Weibchen (rechts) auf Ast.


Wird hier ein Männchen oder ein Weibchen gezeigt?


Betrachte den Schnabel und den Schwanz genau!


Ein Paar hat sich gefunden und nähert sich an.


Das Männchen lauert auf einem Ansitz auf seine Beute.


Das Männchen bringt dem Weibchen einen Fisch.


Dann darf das Männchen auf das Weibchen aufsitzen.


Dabei erfolgt die Begattung des Weibchens.


Nun sind die Eier befruchtet, das Männchen fliegt weg.


Weibchen von hinten bei der Ansitzjagd auf einem Ast.


Weibchen bei der Ansitzjagd von der Seite.


Kopf des Weibchens aus der Nähe im Detail.


KI-Illustration in Farbe: Männchen sitzend auf Ast.


KI-Illustration in Farbe: Weibchen sitzend auf Ast.


KI-Illustration in Farbe: Eisvogel im Sturzflug beim Jagen.


KI-Illustration in Farbe: Männchen und Weibchen auf Ast.


KI-Illustration in Farbe: Eisvogel auf Ast vor Brutröhre.


KI-Illustration in Farbe: Fütterung der Jungen mit Fisch.