Tauben
Länge 15 bis 75 cm, 30 bis max. 2000 g (Krontauben)
Familie Tauben Columbidae

Klasse, Ordnung

Vögel, Taubenvögel.

Englisch: Pigeon, Dove.
Französisch: Pigeon, Colombe.

Lebensraum
Felsen und Küsten, Städte und Kulturlandschaften, Wälder, Savannen.

Nahrung
Samen und Körner, Früchte und Beeren, Knospen, Blätter, Essensreste (Haustaube); Wasseraufnahme durch Saugen.

ZiegenmelkerLupeHaustaube auf Mauer von der Seite.
ZiegenmelkerLupeHaustaube frontal.
Merkmale
Skelett
Lebensweise
Fortpflanzung
Familie
Arten
Beschreibung
Merkmale

Die Tauben weisen mehrere charakteristische anatomische Besonderheiten auf, die sie deutlich von vielen anderen Vogelgruppen unterscheiden. Auffällig ist vor allem der eher kleine Kopf mit kurzem Schnabel, dessen Basis von einer weichen, oft hell gefärbten Wachshaut umgeben ist. Diese Struktur ist bei Tauben besonders gut entwickelt und dient unter anderem dem Schutz der Nasenöffnungen. Ein wichtiges Merkmal ist der kräftige Hals mit gut ausgebildeter Muskulatur, der das typische Vor- und Zurückwackeln des Kopfes beim Laufen ermöglicht. Diese Bewegung dient der Stabilisierung des Blickfeldes. Der Rumpf ist kompakt und stromlinienförmig gebaut, was zusammen mit den spitzen, relativ langen Flügeln einen schnellen und ausdauernden Flug erlaubt. Die Füße sind als Greiffüße ausgebildet: Drei Zehen stehen nach vorne und eine nach hinten, dies ermöglicht das sichere Sitzen auf den Ästen und auch das Laufen am Boden.

Das Vogelskelett der Taube stellt ein besonders anschauliches Beispiel für den Bau eines flugfähigen Vogels dar. Als kräftige, ausdauernde Flieger mit schnellem Flügelschlag benötigen Tauben ein Skelett, das gleichzeitig Stabilität und Elastizität bietet. Typisch und bei der Taube besonders gut ausgeprägt ist das robuste Brustbein mit einem vorspringenden Kiel. Dies garantiert nicht nur Stabilität beim Fliegen, sondern ermöglicht auch die Ausbildung von kräftigen Flügelhebemuskeln, die am Brustbein und am Schulterblatt angesetzt sind. Das Gabelbein wirkt wie eine Feder, die bei jedem Flügelschlag auseinandergebogen wird und wieder zurückfedert. Zusammen mit dem Rabenschnabelbein sorgt es dafür, dass die beim Fliegen entstehenden Kräfte abgefangen werden. Diese Konstruktion ist bei Tauben besonders wichtig, da ihr Flugstil von schnellen, kräftigen Flügelschlägen geprägt ist.


Taubenskelett
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Taubenskelett (KI-optimierte Illustration).


Lebensweise

Tauben sind überwiegend tagaktive, gesellige Vögel, die oft in Paaren oder größeren Gruppen leben. Einige Arten haben sich erfolgreich an offene Landschaften und vom Menschen geprägte Lebensräume angepasst. Typisch ist ihre Bindung an feste Schlaf- und Brutplätze, zu denen sie zuverlässig zurückkehren. Tauben sind ausdauernde Flieger mit gutem Orientierungssinn, weshalb sie auch als Brieftauben eingesetzt werden. Die Nahrung besteht aus pflanzlicher Nahrung, vor allem sind es Samen und Körner, die am Boden aufgenommen werden. Eine Spezialität der Tauben ist die Wasseraufnahme durch Saugen – eine Fähigkeit, die unter Vögeln eher selten ist.


Fortpflanzung

In der Fortpflanzung zeigen Tauben einige Besonderheiten. Sie führen meist eine monogame Paarbeziehung, die oft über mehrere Brutperioden oder sogar lebenslang bestehen bleibt. Das Nest ist eine eher einfache, lockere Plattform aus Zweigen, die in Felsen, Bäumen oder an Gebäuden angelegt wird. Das Weibchen legt in der Regel zwei Eier, die von beiden Eltern etwa 17 bis 19 Tage bebrütet werden. Während der Brut produzieren Tauben im Kropf ein fetthaltiges Sekret, die Taubenmilch oder Kropfmilch, die zum Füttern der Jungen dient. Später wird die Nahrung zunehmend mit eingeweichten Samen ergänzt. Die Jungvögel wachsen relativ schnell, sie sind oft schon nach zwei Wochen flugfähig und verlassen nach etwa 3 bis 4 Wochen das Nest. Tauben wie die Haustaube können im Jahr bis zu sechs Mal brüten.

Stadttauben vermehren sich besonders schnell, weil in Städten mehrere günstige Faktoren zusammenkommen. Ein entscheidender Punkt ist das ganzjährige Nahrungsangebot. Durch menschliche Abfälle, Fütterung und leicht zugängliche Nahrung finden Tauben auch im Winter ausreichend Futter. Dadurch sind sie nicht auf eine kurze Brutzeit beschränkt, sondern können ganzjährig brüten. Hinzu kommt das große Angebot an geeigneten Brutplätzen bei Gebäuden und Brücken. In den Städten fehlen viele Greifvögel oder andere Räuber, die in freier Natur die Bestände regulieren würden. Sinnvoll ist es, wenn Tauben in einem Taubenschlag gehalten werden und die Weibchen ein Futter erhalten, das die Fortpflanzungsfähigkeit hemmt. Auch die Eier kann man austauschen.


KI-Illustration: Taubenschlag

ZoomTaubenschlag (KI-Illustration).



Familie der Tauben

Die Ordnung der Taubenvögel Columbiforme ist nur durch eine einzige Familie vertreten. Die Tauben kommen in mehr als 300 verschiedenen Arten in fast allen Gebieten auf der Erde vor. Die größten und schwersten Tauben sind die Krontauben, die eine Länge von 75 Zentimeter und ein Gewicht von über zwei Kilogramm erreichen können. Sie leben in den tropischen Regenwäldern Neuguineas und halten sich überwiegend am Boden auf, wo sie nach Früchten, Samen und kleinen wirbellosen Tieren suchen. In Europa findet man fünf Arten, sofern die Straßen- oder Haustaube als domestizierte Art der Felsentaube nicht dazu gerechnet wird.


Die Haustaube oder Straßentaube Columba livia f. domestica ist die domestizierte Form der sehr ähnlich aussehenden Felsentaube. Ihr Gefieder kommt aber in zahlreichen Farbvariationen vor. Es gibt ganz dunkle Tiere oder ganz helle, auch gescheckte kommen vor. Die Haustaube brütet fast nur unter Dachvorsprüngen oder in Mauernischen der Gebäude menschlicher Zivilisation und richtet dort große Schäden an. Sie tritt invasiv auf, der massenhaft produzierte Kot zerstört Dachziegel und fördert die Bildung von Schimmel. Geruchsbelästigungen und dauerhaftes Gurren machen sie nicht gerade zum Freund der Hausbesitzer und Bewohner. Die Haustaube hat ein ausgeprägtes Sozialverhalten und ist gegen Störungen weitgehend immun. Das Männchen wirbt um das Weibchen durch Gurren, Verbeugen, aufgeblasenem Kropf und durch Schleifen des Schwanzes am Boden. Die Jungtiere sind ausgesprochen ortstreu und wollen an ihrem Geburtsort wieder brüten.


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KI-Illustration: Haustaube auf der Straße.
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KI-Illustration: Stehende Haustaube (gif).
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Foto: Felsentaube in Lanzarote auf einem Felsen.
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KI-Illustration: Felsentaube auf einem Felsen.


Die Felsentaube Columba livia ist die ursprüngliche Wildform der Straßentaube. Die am Bauch und Rücken einheitlich blaugraue Taube hat auf dem Rücken zwei dunkelgraue Flügelbinden und dunkle Flügel- und Schwanzenden. Der Bürzel ist weiß. Am Nacken schimmert das Gefieder metallisch grün oder rotviolett. Beim Männchen sind diese Farben mehr ausgeprägt. Die Felsentaube gurrt ähnlich wie die Straßentaube. Sie bewohnt felsige Inseln oder Meeresküsten am Mittelmeer oder auf den Kanarischen Inseln. Sie kommt aber auch im Gebirge vor. Mit einer lebenslangen Partnerin brütet sie immer am gleichen Ort in einer Felsspalte oder Höhle.


Die Türkentaube Streptopelia decaocto wirkt schmaler als eine Haustaube, sie ist fast einheitlich hellgrau oder hellgraubraun gefärbt. Die Unterflügel sind weiß. Erwachsene Tiere haben einen schwarzen Halbring im Nacken. Die roten Augen sind von einem weißen Ring umgeben. Markant ist ihr nasaler, auf der zweiten Silbe betonter Ruf „Do-duh-du“, der in der Schweiz auch als Gross-mue-ter“-Ruf bekannt ist. Türkentauben sind erst ab 1930 nach Mitteleuropa aus dem Nahen Osten eingewandert. Aus diesem Grund wird sie im deutschsprachigen Raum so genannt. Die Türkentaube brütet zwar auch gerne in Städten, sie richtet dort aber im Gegensatz zur Haustaube keine Schäden an, weil sie weniger invasiv auftritt und meistens in den Astgabeln von Bäumen brütet. Nur eher selten sucht sie zum Brüten einen Dachbalken oder ein Futterhäuschen auf.


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Foto: Türkentaube auf den Kanarischen Inseln.
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KI-Illustration: Türkentaube auf Laubbaum-Ast.
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Foto: Ringeltaube in Bern auf einem bewachsenen Stein.
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KI-Illustration: Ringeltaube auf Nadelbaum-Ast.


Der Körper der Ringeltaube Columba palumbus ist im Verhältnis zum Kopf besonders massig. Das Gefieder erscheint schiefergrau. Am Kropf und im Brustbereich ist es rötlich gefärbt. Im Nacken und im Halsbereich befindet sich ein metallisches, grün glänzendes Band, das seitlich am Hals mit einem weißen Fleck abschließt. Die äußersten Flügelbereiche sind weiß, die vor allem im Flug als weißes Band sichtbar sind. Der Schnabel ist rot mit einer gelben Spitze. Das laute, mehrsilbige Gurren der Ringeltauben klingt dumpf und heiser. Ringeltauben brüten in offenen Landschaften oder Parkanlagen, das Nest befindet sich gerne auf Nadelbäumen. In den Städten brüten sie auch an Gebäuden.
 

Die Turteltaube Streptopelia turtur ist eine kleinere Taube, die am Hals ein typisches schwarzes Streifenmuster aufweist. Die rostbraunen Flügel sind oben gefleckt, die Schwanzfedern sind dunkel gefärbt und haben eine helle Endbinde. Der Bauch erscheint cremeweiß, Hals und Oberbauch rötlich. Um das dunkle Auge befinden sich ein orangefarbener Ring und eine rötliche Haut. Das Gurren der Turteltauben hat ihnen den Namen gegeben, es ist ein dumpfes „Turr-turr“. Turteltauben haben sich vom Mittelmeer aus in Zentraleuropa in trockenen Gebieten ausgebreitet. Sie brüten in Hecken und kleineren Bäumen und bauen ein Nest aus Zweigen. Man findet sie in Obstgärten, Weinbergen oder offenen Landschaften.


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Foto: Turteltaube auf der Insel Formentera.
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KI-Illustration: Turteltaube auf dürrem Ast.
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KI-Bild: Hohltaube vor einem Baumloch.
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KI-Illustration: Hohltaube vor einem Baumloch.


Die Hohltaube Columba oenas ist eine Taubenart, die in Baumhöhlen brütet. Dazu sucht sie verlassene Nester des Schwarzspechts oder Nistkästen auf. Sie ähnelt einer Haustaube, sie hat aber wie die Ringeltaube einen farbigen Schnabel. Ihr Ruf ist ein dumpfes, zweisilbiges „Oh-Ruo“, wobei die erste Silbe betont wird. Die Hohltaube frisst Samen und Früchte, zum Beispiel Beeren, Eicheln oder Bucheckern, manchmal auch kleine Schnecken.
 
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