Die schwarze Augenbinde, der graue Kopf und das Rotbraun am Rücken
sind die Erkennungsmerkmale dieses Würgers. Im Vergleich zum
Schwarzstirnwürger reicht das Augenband nur ganz wenig über die Augen. Der Neuntöter ist deutlich kleiner als der
Raubwürger.
Das Weibchen ist am Kopf rötlicher gefärbt als das
Männchen, es hat auch nur eine hellbraune, kurze Augenbinde hinter
den Augen. An der Seite findet sich ein braunes, leicht geriffeltes
Muster. Der Revier-Gesang des Männchens klingt knirschend und ist
mit Imitationen anderer, meist kleinerer Singvögel durchsetzt. So
kann ein Neuntöter den Gesang einer
Feldlerche
nachahmen und trägt ihn sogar etwas leiser als das Original vor.
Typisch ist auch der schwirrende Ruf, wenn der Neuntöter auf einem
Busch sitzt.


Neuntöter: Männchen und Weibchen (KI-Illustration).
Der Neuntöter ist ein Ansitzjäger: Geduldig wartet er auf
einem Dornenbusch bis ein größeres Insekt in der näheren
Umgebung auftaucht. Er gleitet lautlos zu seiner Beute und tötet
sie mit seinem scharfen Schnabel. Dabei hält er sie mit den
Füßen fest. Bei Nässe und Regen jagt er am Boden, bei trockener, warmer Witterung verfolgt er die Insekten auch im Flug. Die Beute wird bearbeitet, er zerkleinert, entstachelt oder putzt sie sorgfältig. Wie alle Würger spießt er vor allem die größere Beute
als Vorrat auf den Dornen der Seitenäste auf. Zur Nahrung zählen Insekten wie Käfer, Heuschrecken, Grillen, Hummeln oder Fliegen, aber auch Spinnen und sogar junge Feldmäuse.
Zur Brutzeit im Mai besetzt er ein Revier. Dann beginnt er mit dem Balzgesang und vollführt Balzflüge zur Beeindruckung eines Weibchens. Er bringt ihm auch Beutetiere und plustert sich mit gefächertem Schwanz auf. Die Nester werden gut versteckt im dichten
Gebüsch gebaut. Bevorzugt werden Dornbüsche wie Schwarzdorn, Heckenrose oder Weißdorn, weniger häufig andere Büsche wie Holunder oder Hartriegel. Das Weibchen legt vier bis sieben Eier. Nach rund zwei Wochen schlüpfen die Jungen, die von beiden Eltern gefüttert werden. Sie verlassen schon nach weiteren zwei Wochen das Nest.
Im Winter ziehen die Neuntöter nach Afrika.
Dabei legen sie pro Weg bis zu 8000 Kilometer zurück. Ein Neuntöter kann in der freien Natur bis zu sieben Jahre alt werden. Die größte Gefahr für ihn ist der Verlust des Lebensraumes durch Intensivlandwirtschaft, durch den Einsatz von Insektiziden, durch Beseitigung der Heckenlandschaften, Heiden und Brachwiesen sowie die Trockenlegung von Moorlandschaften. Die Schutzmaßnahmen bestehen vor allem darin, diese natürlichen Biotope zu erhalten oder wieder herzustellen.
Bilder


KI-Illustration: Männchen mit aufgespießtem Insekt.


KI-Illustration: Weibchen des Neuntöters.


Das Weibchen hat eine braune Augenbinde.